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Martin Mayer, Bildhauer, geboren 1931 in Berlin, lebt und arbeitet seit 1946 in München | http://www.martin-mayer.org | Martin Mayer, sculptor, born 1931 in Berlin, lives and works since 1946 in Munich | Chrisitan Ude. Eherne Weiblichkeit in München






Grußwort des Oberbürgermeisters der Landeshaupt München

In einer Folge des „Monaco Franze” gesteht der „ewige Stenz”: „Offen gesagt: Ich interessiere mich unheimlich für Frauen.” Das bei dem Schwabinger Hollodri wenig überraschende Geständnis könnte auch von dem Bildhauer Martin Mayer stammen, der sich ganz offensichtlich „unheimlich für Frauen interessiert”, so unheimlich sogar, dass der Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens dem ewig Weiblichen gewidmet ist. Die größte Werkschau in Buchform über seine „Bronzen, Zeichnungen, Fotografien” bei der Edition Braus, erschienen im Frühjahr 2002, heißt dann auch nur schlicht und einfach „FRAUEN”. Der Band lehrt uns, wie sich der Künstler seinen Motiven nähert: Zunächst mit Skizzen aus kräftigen Strichen, die sich zunehmend vom Detail lösen und immer stärker die Geste, die Bewegung, das Volumen erfassen, getreu dem Motto, man müsse sich vom Naturalismus mehr und mehr entfernen, um der Natur so nahe wie möglich zu kommen (Theodor Georgii). Mayer entfernt sich von der naturalistischen Darstellung durch Vereinfachung und Abstraktion, durch Konzentration auf das Volumen und Entwicklung bildnerischer Zeichen.

Seine berühmteste Arbeit in der bayerischen Landeshauptstadt ist wohl zweifellos die Olympia Triumphans, die im Münchener Olympiapark einen erfrischenden Kontrapunkt zur schwerelos wirkenden Zeltdachkonstruktion von Günther Behnisch und Partnern bildet, einen Gegenpol zu den technisch wirkenden Pylonen und dem transparenten Dach. Die Olympia Triumphans balanciert mit den Händen auf einer Erdkugel und spreizt ihre Beine selbstbewusst und ungeniert in den Himmel, so wie die Pylonen des Zeltes schräg nach oben ragen. Dabei wirkt die wuchtige Frau kraftvoll und gewichtig, trotz ihrer stattlichen Rundungen auch unbeschwert und heiter, passend zum Leitbild der „heiteren Spiele”, die 1972 ja hätten geboten werden sollen. Die Frauenfigur, die da so präzise die Balance hält, strahlt Gelassenheit und ganz unverkrampft auch Sportlichkeit aus, den Nanas von Niki de Saint Phalle vergleichbar, ohne jedoch auf deren grelle Farbigkeit angewiesen zu sein. Die Kraft liegt in der Form.

So bekannt, beliebt und einprägsam sie auch ist: Die Olympia Triumphans sollte nicht den Blick auf die andern Arbeiten verstellen, mit denen Martin Mayer im Stadtbild vertreten ist. Die Susanna in der Lauensteinstraße ist eine Nackte, die sich die Bluse über den Kopf zieht und schon die Brüste entblößt hat – eine Arbeit, die gekonnt die Materialität der Textilie andeutet und Gesichtszüge erkennen lässt, aber durch die Strenge der Form nichts Frivoles hat. Bei der „Haarwaschenden” in der Höltystraße spielt Mayer ebenso wie bei der Bukolika in der Nähe der Ludwigsbrücke mit ironischen Überzeichnungen, die aber nicht karikaturhaft wirken, sondern ein ausgeprägtes Lebensgefühl vemitteln. Man kann es im Isartal testen: Die Radfahrer und Spaziergänger, die an der Bukolika vorbeigekommen sind, haben noch ein Schmunzeln im Gesicht. Nicht die Körpermasse, wohl aber die erdverbundene Daseinsfreude und Heiterkeit der Figur lädt zur Identifikation ein.

Mehr noch als die Bronzefiguren im Stadtbild verraten die Skizzen im Buch ein „unheimlich starkes Interesse” an der weiblichen Körperlichkeit, an fülligen Rundungen, an einladenden Haltungen und Lagen. Aber dennoch sind die Frauenfiguren von Martin Mayer niemals ein schlüpfriges Lustobjekt für Männerblicke misszuverstehen, niemals an der erotischen Wirkung auf den Betrachter orientiert, sondern immer voller Lust an der eigenen Körperlichkeit in sich ruhend, voller Selbstbewusstsein, das nicht vom erotischen Interesse eines Betrachters abgeleitet wird. Es sind – wahrlich erstaunlich bei nackten Figuren, die von den Blicken der Spaziergänger erfasst werden sollen – in sich ruhende Kraftzentren, die diese Kraft auch vermitteln.

Christian Ude

Quelle:
Eherne Weiblichkeit in München. MünchenVerlag 2007.


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